Meinung

Aufrüstungsturbo trotz Protest: Nach Covenant soll zweite Raketenfirma nach Leipzig kommen

In Leipzig gibt es Widerstand gegen die Ansiedlung der US-israelischen Rüstungsfirma Covenant. Die Landesregierung schert sich nicht darum und gibt schon dem nächsten Start-up grünes Licht: Falk Defence will ebenfalls Raketen in der Sachsen-Metropole entwickeln. Auch hier liegen Verbindungen ins Silicon Valley nahe.
Aufrüstungsturbo trotz Protest: Nach Covenant soll zweite Raketenfirma nach Leipzig kommen

Von Alexandra Nollok

Erst Anfang September überrumpelte die Politik die Einwohner Leipzigs mit der geheim orchestrierten Ansiedlung der US-israelischen Rüstungsfirma Covenant. Vom Standort der Produktionsstätte für Marschflugkörper nah an Leipziger Wohngebieten erfuhren die Bürger erst einen Monat später aus den Medien. Inzwischen hat sich Widerstand formiert. Doch das ist der Politprominenz in Stadt und Land egal: Nun soll auch das deutsche Unternehmen Falk Defence in Leipzig neue Raketensysteme entwickeln.

Zweite Raketenfirma in Leipzig

Als die Bundesregierung damit begann, Hunderte Milliarden in die neue deutsche "Kriegstüchtigkeit" zu pumpen, rückten umgehend US-amerikanische Großinvestoren an. Unzählige Rüstungs-Start-ups sprossen wie Pilze bei Regen aus dem Boden. Klar, die Rüstungsbranche wächst und gedeiht von Staatsgeldern. Zu diesen Start-ups gehört Falk Defence. Erst im vergangenen Jahr gegründet, eröffnete das Unternehmen bereits im Frühjahr ein Büro in Leipzig. 

Auf seiner Website protzt das Unternehmen mit seinen Zielen, die es nun in Leipzig umsetzen will: "Wir entwickeln ein Raketenartilleriesystem der nächsten Generation, das smart, kosteneffizient und für die Massenproduktion ausgelegt ist." Damit will das Unternehmen nach eigenen Angaben "Europas Souveränität in einem zentralen Bereich der modernen Kriegsführung wiederherstellen".

Auf der Plattform LinkedIn brüstet sich Falk Defence als künftiger "bedeutender Player für moderne Präzisionswaffensysteme". Stolz erklärte es dort kürzlich, an der "ersten deutsch-ukrainischen Verteidigungs- und Sicherheitskonferenz teilgenommen" zu haben. Seine Richtung sei "klar": Man wolle am "nächsten Kapitel der europäischen Verteidigungstechnologie mitschreiben".  

Silicon Valley investiert in BRD-Aufrüstung

Gründer und Geschäftsführer des Start-ups ist Thomas Falk. Der Deutsche ist laut Wikipedia ein "Serienunternehmer, Investor und Gründer von Vinthera".   Letzteres ist ein hybrider Wagniskapital-Fonds, der Investitionen mit direkten Beteiligungen für schnellere Renditen kombiniert. Falk ist auch in den USA sehr aktiv: Dort gründete er den US-Fonds "Revel Partners". Er investiert vor allem in Rüstungs- und Krypto-Start-ups.  

Falks Nähe zu US-amerikanischen Techmilliardären liegt nahe. Damit ist er in bester Gesellschaft zu den Gründern der kürzlich im Leipziger Norden eröffneten US-israelischen Rüstungsfabrik Covenant. Die gab ihrem Billig-Marschflugkörper mit einer Reichweite von bis zu 1.600 Kilometern den Namen "Anthem" (Hymne). Falk Defence nennt seine gelenkten Artillerieraketen "Siegfried SF1-100". 

Covenant ist wie Falk Defence ein Start-up. Aus der US-amerikanischen Risikokapitalszene im Silicon Valley erhielt es mindestens 250 Millionen Dollar für seine Geschäfte in Deutschland. Auch ein Fonds des Palantir-Gründers Peter Thiel finanzierte Covenant mit. Palantirs KI-Software setzt unter anderem Israel zum Überwachen und Töten von Palästinensern ein.

Thiel betreibt ein Netzwerk, das gezielt in die deutsche Rüstungsindustrie investiert, darunter der bayrische KI-Drohnen-Produzent Quantum Systems. Da Falk im US-amerikanischen Finanz- und Kryptomarkt aktiv ist, kann man über mögliche Kontakte in selbiges zumindest spekulieren. Beim Start-up Covenant ist es indes eindeutig: Dessen Chef Michael Kaufmann fungierte lange als Manager Thiels, sein Technologieboss Ofir Dayan ist Führungskraft der israelischen Armee, die mit Thiel eng zusammenarbeitet.

Sächsische Regierung hat gelogen

Die Ansiedlung von Covenant hatte Sachsens Regierung nicht nur gegenüber der Bevölkerung bis kurz vor der Eröffnung verheimlicht. Sie hatte auch die Abgeordneten im Landtag belogen. Noch Ende September verneinte sie auf Anfrage des BSW-Politikers Nico Rudolph, Planungsgespräche mit Covenant geführt zu haben. Sie redete sich damit heraus, dass die Firma ein Privatgrundstück erworben habe. Deshalb hätten der Freistaat und die Stadt nicht viel mitzureden gehabt. Nur der Bund sei involviert, hieß es.

Wie jetzt bekannt wurde, war das eine glatte Lüge. Die Staatskanzlei spricht ihrerseits von einem "Bearbeitungsfehler". Bis zum 20. November soll Sachsens Regierung nun weitere Fragen des BSW-Abgeordneten beantworten – während sie mit Falk Defence weiter "Nägel mit Köpfen" macht. 

Protest gegen Rüstungsfabriken

So stehen die Gegner der Aufrüstung vor vollendeten Tatsachen. Eine Petition gegen die Anfang Oktober eröffnete Rüstungsfabrik Covenant hat seit Anfang September gut 11.000 Unterschriften erhalten. Gesetzlich vorgeschrieben müsste sich nun der Petitionsausschuss im Landtag damit befassen, dies wegen der hohen Anzahl der Unterschriften mit einer öffentlichen Anhörung.  

Auch auf der Straße wird es langsam lauter. Am vergangenen Wochenende demonstrierten gut 400 Menschen in der Leipziger Innenstadt bei Wind und Regen gegen die Covenant-Ansiedlung. Das alternative Leipziger Medienportal Nuo Viso filmte den Protestzug. Bereits in den Wochen zuvor hatte es kleinere Protestaktionen gegeben. Zum Zeitpunkt der Demonstration am Wochenende war noch nicht bekannt, dass nun auch Falk Defence in Leipzig Raketen fertigen will.

Jugendliche organisieren Widerstand

Junge Menschen organisieren sich ebenfalls. Seit Ende des Jahres 2025 haben Schüler mehrfach gegen Bundeswehr-Rekrutierung und drohende Wehrpflicht gestreikt. Der nächste bundesweite Aktionstag ist für den 20. November geplant. Immer wieder demonstrieren Jugendliche außer der Reihe. Mitte Oktober blockierten etwa Schüler in Hamburg und Berlin ihre Bildungseinrichtungen.  

Am Morgen des 26. Oktober versperrten Schüler der Henriette-Goldschmidt-Schule in Leipzig den Schuleingang, um ein Zeichen gegen Aufrüstung, Kriegstreiberei und Wehrpflicht zu setzen. Sie riefen zur Stärkung der Schulstreik-Bewegung auf, mahnten zum Widerstand und solidarisierten sich mit Aktionen im Aus- und Inland. Für den 31. Oktober ruft die neue Initiative "Gen Z regelt" zu Jugendprotesten in zahlreichen Städten auf. Medien, Polizei und Inlandsgeheimdienst warnen bereits aufgeregt vor "linksextremer", teils gar "islamistischer Unterwanderung".

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