
Das endlose Elend mit den Gasspeichern

Das wird die Deutschen gewiss trösten, dass der Staatssekretär im Wirtschafts- und Energieministerium erklärt, "die Energieversorgungslage ist sicher". Obwohl der Füllstand der deutschen Gasspeicher nach den gesetzlichen Vorgaben am 1. November bei 70 Prozent liegen sollte und seit Monaten bekannt ist, dass zu wenig Gas gespeichert wurde, sind es mit Stand vom 29. Oktober laut agsi.gie.eu nur 61,61 Prozent. Aber wenn der Herr Staatssekretär sagt, dass das gut ist ...
Ende September wies Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, nach längerem Zögern, das bundeseigene Unternehmen SEFE an, bis 15. Dezember den Gasspeicher in Rehden mit zusätzlich acht Terawattstunden Gas zu befüllen. Rehden ist mit einer Kapazität von 35 TWh der größte der deutschen Gasspeicher; am 30. September war er zu 12,6 Prozent gefüllt, mit 4,5 TWh. Aktuell sind es 7,09 TWh bzw. 19,8 Prozent; es sind also nur 2,5 TWh mehr bisher.

Das Problem? Rehden ist zwar riesig, aber nicht der Speicher, der am schnellsten befüllt werden kann. Die Erklärung, die geliefert wird, warum langsam gekauft wird, lautet, um die Gaspreise nicht weiter in die Höhe zu treiben. Allerdings werden sie, gesetzt den Fall, es kommt nach den US-Zwischenwahlen tatsächlich zu einem weiteren US-Angriff auf Iran, womöglich aus ganz anderen Gründen steigen. Seit Reiches Anweisung stieg der Gaspreis von etwa 72 Euro pro MWh auf knapp 100 Euro pro MWh; Ende August, als bereits absehbar war, dass die Speicherstände deutlich unter den Vorjahren liegen, hätte die Beschaffung besagter 8 TWh noch 360 Millionen Euro gekostet – jetzt sind es 800 Millionen. Zugegeben, die bereits eingelagerte Menge wurde zum Teil sicher noch für die erwähnten 72 Euro erworben, aber Reiches Zögern kann die deutschen Steuerzahler noch deutlich mehr kosten als 440 Millionen, wenn der Gaspreis weiter steigen sollte.
Übrigens kann man bei einer ganzen Reihe europäischer Speicher sehen, dass bereits nicht mehr zugeführt, sondern entnommen wird. Kein Wunder, schließlich hat die Heizsaison bereits begonnen. In Rehden selbst beträgt die Kapazität der Einspeicherung 282 GWh/Tag, theoretisch könnten die besagten 8 TWh also im Verlauf eines Monats eingespeichert werden. Praktisch lag die Zufuhrmenge in den 24 Stunden bis zum Morgen des 30. Oktober bei ganzen 9,93 GWh. Der Platz dafür wäre da – von den insgesamt 35,7 TWh Kapazität sind 19,4 gebucht und 7,09 belegt.
Während in den deutschen Medien die Zusatzkosten, die das Zögern der Ministerin ausgelöst hat, nicht thematisiert werden, kommt aus Italien scharfe Kritik am deutschen Verhalten. Ein Vertreter des italienischen Ministeriums für Umwelt und Energiesicherheit erklärte jüngst, es seien gerade die niedrigen deutschen Füllstände, die die Gaspreise in Europa in die Höhe trieben. "Die Preise sind gerade bei 100 Euro, weil die Deutschen einkaufen, ansonsten wären sie bei 70 Euro." Er sah auch die Lage für den kommenden Winter deutlich pessimistischer. "Wenn der Januar warm wird, haben wir kein Problem. Wenn der Januar wie letztes Jahr wird, als es in Nordeuropa, in Polen, in Litauen, in Deutschland sehr kalt war, dann haben wir Probleme."
Tatsächlich sind die niedrigen Speicherstände in diesem Herbst auch eine Folge ebendieses Winters – schon im vergangenen Jahr wurde der langjährige Durchschnitt der Speichermengen unterschritten, weshalb der Stand auch am Ende der Heizperiode ungewöhnlich niedrig war. Was dann aber für die Zukunft bedeutet, dass dann im kommenden Jahr der Ausgangspunkt für die Befüllung noch niedriger liegen könnte und die Probleme, sichere Reserven zu erreichen, noch größer werden.
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