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"Wie im Kalten Krieg": Bundeswehr will Zahl der Reservisten deutlich steigern

Das Verteidigungsministerium will die Reserve der Bundeswehr deutlich verstärken. Militärplaner gehen davon aus, dass noch rund 800.000 Personen wehrrechtlich herangezogen werden können. Diese müssen so ausgebildet werden, dass sie die aktive Truppe im Kampf verstärken oder ersetzen können – "wie im Kalten Krieg".
"Wie im Kalten Krieg": Bundeswehr will Zahl der Reservisten deutlich steigernQuelle: www.globallookpress.com © via www.imago-images.de/www.imago-images.de

Das Bundesverteidigungsministerium will die Reserve der Bundeswehr deutlich verstärken. Wie Generalleutnant Andreas Hoppe, Stellvertreter des Generalinspekteurs und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten, in einem Gespräch mit der dpa mitteilte, solle diese – wie im Kalten Krieg – so ausgebildet und ausgerüstet sein, dass sie die aktive Truppe im Kampf verstärken oder ersetzen könne.

Ziel der Militärplaner ist es, künftig bis zu 60.000 Männer und Frauen als Reservisten in einer sogenannten Grundbeorderung zu haben, die in diesem Status für eine feste Aufgabe eingeplant und befähigt sind. Hoppe sagte:

"Ich bin der Überzeugung, dass wir die Reserve ganz den aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen anpassen müssen, damit sie die Bundeswehr bei der Wahrnehmung der Aufgabe Landes- und Bündnisverteidigung vernünftig unterstützen kann."

Das Militär rechnet dabei mit gut 10.000 ausscheidenden Zeit- oder Berufssoldaten pro Jahr, die für diese Grundbeorderung gewonnen werden könnten. Rund 44.000 grundbeorderte Männer und Frauen gibt es bisher.

"Ohne Reserve geht es nicht. Das sehen wir in der Ukraine", betonte er. Das müsse in die Köpfe von allen. Die Strukturen müssten so aufgebaut sein, dass diese Reserve-Einheiten in die aktive Truppe integriert werden könnten. "Das gab es alles im Kalten Krieg, aber es ist eben seit 30 Jahren vernachlässigt worden und einfach nicht mehr existent. Es gibt noch ein paar ganz wenige, die das noch wissen. Die zapfen wir gerade ab, um die Fähigkeiten noch abzubilden", sagte er.

Ziel sei es, Reserve-Kompanien oder Reserve-Bataillone so auszustatten und auszubilden, dass sie nahtlos in die Operationsführung einer Brigade eingebaut werden können. Der General betonte:

"Wenn man in die Ukraine guckt, sind wir einfach nicht durchhaltefähig und aufwuchsfähig, so wie wir momentan dastehen. Dafür brauchen wir eine Reserve, die in der Lage ist, Kräfte auch komplett zu ersetzen."

Gebraucht würden Spezialisten, aber "schlicht auch Masse", so Hoppe. Als Beispiele führte er Aufgaben im Heimatschutz, also für die Sicherung der Infrastruktur, Verkehrswege und Militäranlagen in Deutschland, an.

"Natürlich brauchen wir auch den Reservisten als Panzerfahrer. Das sind dann aber natürlich am liebsten diejenigen, die das schon in ihrer aktiven Zeit gemacht haben und nach dem Ausscheiden in die Grundbeorderung gehen und dann auch in Übung gehalten werden", sagte Hoppe. Pro Jahr seien 14 Tage Übung nötig, um die Fähigkeiten zu erhalten. Der Generalleutnant bezeichnet es als eines seiner "Steckenpferde", die Freiwilligkeit dieser Übungen zu hinterfragen. Er will aber auch bei Unternehmen verstärkt um Zustimmung werben. Hoppe sagte diesbezüglich:

"Wenn Leute einen hohen Ausbildungsstand haben, wenn sie die Bundeswehr verlassen und sie in sechs Jahren Grundbeorderung nicht ein einziges Mal zum Üben kommen, dann wird der Wert, den die Leute beibringen können, natürlich irgendwann überschaubar."

Derzeit prüfe das Ministerium, wie groß die Zahl derer ist, die im Verteidigungsfall grundsätzlich zum Dienst herangezogen und geeignet sein könnten, führte der General weiter aus. Dabei spricht man von "unbeorderter Reservistentätigkeit". Es gehe um die Bürger, die Dienst in der Bundeswehr geleistet haben, aber nicht beordert seien. Diese Gruppe ist groß, doch schrumpft sie, seit die Wehrpflicht im Jahr 2011 ausgesetzt wurde.

"Wir gehen davon aus, dass es etwa 800.000 sind, die noch wehrrechtlich herangezogen werden können", stellte Hoppe fest. "Das sind im Prinzip alle, die irgendwann mal Dienst in der Bundeswehr geleistet haben und ausgeschieden sind und in den Altersgrenzen liegen, also auch die letzten Jahrgänge der Wehrpflichtigen."

"Wenn man sich aber die Altersproblematik vor Augen führt, dann weiß man auch, dass das jedes Jahr weniger werden", führte er weiter aus. "Es schmilzt jedes Jahr ab. Das heißt, wir müssen gegensteuern und auch zusätzlich Personal finden und gewinnen für die Reserve."

Für die überarbeiteten Verteidigungspläne der NATO muss die Bundeswehr, die im vergangenen Jahr auf 181.500 Soldaten geschrumpft ist, deutlich wachsen. Wie der Spiegel berichtete, bedeuten die NATO-Planungen in absehbarer Zukunft eine Erhöhung des Personalziels von bisher 203.000 Soldaten auf "tendenziell deutlich über 272.000" in den Streitkräften. Am Mittwoch will Verteidigungsminister Boris Pistorius seinen Vorschlag für das Modell einer neuen Wehrpflicht erläutern. 

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